St. Matthias, Blick hinter die Abteimauern

Am 18. und 19.Mai haben fast 50 Seniorinnen und Senioren das ehrwürdige Areal des Benediktinerklosters St. Matthias in Trier besucht, was nicht jedem zugänglich ist.

Bilder von Inge Scholz

Dank Bruder Thomas, der anhand einer ausführlichen Führung und mit launigen Worten Einblicke in die Historie der Abtei und des klösterlichen Lebens der Benediktiner gab, erfuhren wir, dass die Abtei bereits seit dem 5.Jahrhundert existiert. Bischof Cyrillus von Trier ließ damals die Grabstätte für die Gründerbischöfe der Trierer Kirche Eucharius und Valerius errichten. Daraus ist die Abtei hervorgegangen. 1127 entdeckten die Benediktiner- mönche bei Bauarbeiten die Gebeine des Apostels Matthias. Die neue noch unvollendete Abteikirche wurde 1148 außergewöhnlicher Weise von Papst Eugen III. geweiht. Daraufhin setzten große Pilgerström zu der nach dem Apostel Matthias benannten Abteikirche ein. Auch heute noch ist die romanische Basilika, die das einzige Apostelgrab auf deutschem Boden beherbergt, die bedeutendste Pilgerstätte der Matthiasbruderschaften. Zudem wird in der nördlichen Seitenkapelle das als „Mattheiser Gnadenbild“ bekannte Marienbild verehrt.

Die Reform hinterließ kaum Spuren. Krieg und Plünderungen, aber auch Konflikte mit Bischof oder Abt beeinträchtigten wiederholt die Entwicklung der Abtei. In den Wirren der französischen Revolution, die auch auf das Deutsche Reich übergriffen verließ der Konvent zeitweise die Abtei. 1802 wurde das Kloster schließlich säkularisiert. Der Kaufmann Christoph Philipp Nell erwarb den Kreuzgang sowie anliegende Gebäude und nutzte sie als Wohnhaus und für landwirtschaftliche Zwecke. Dadurch wurde der Komplex erhalten.

Nach mehreren Versuchen im 19.Jahrhundert, das Kloster neu zu beleben, zogen nach dem Ersten Weltkrieg zunächst Mönche in das Mattheiser Pfarrhaus. Am 22.Okt. 1922 wurde der Gebäudekomplex wieder zur Abtei geweiht und die ersten Benediktinermönche zogen wieder ein. 1941 hob die nationalsozialistische Regierung den Konvent auf und die Mönche gingen nach Maria Laach. 1945 kehrten wieder Mönche begleitet von organisatorischen Veränderungen ins Kloster zurück. Die Abtei ist seit 1991 mit dem 1972 wieder begründeten Priorat Kloster Huysburg verbunden. Im September 2004 schlossen sich die beiden Konvente zusammen.

Die Gemeinschaft in St. Matthias widmet sich heute auch der Pfarrseelsorge. Weitere Aufgaben sind die Krankenhausseelsorge und die Wallfahrtspastorale. Einzelne Brüder üben weltliche Berufe wie Richter, Stadtplaner oder Lehrer aus.

Erwähnenswert ist zudem das „Schammatdorf“. Vor dem Hintergrund zahlreicher Probleme städtischen Wohnens entstand in den siebziger Jahren in Trier der Gedanke, ein Wohngebiet mit sozialer Zielsetzung zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit dem Sozialamt der Stadt planten die Abtei und die Wohnungsbau und Treuhand ein Wohngebiet, in dem seit 1979 Generationen übergreifendes sowie inklusives Wohnen und Leben verwirklicht wurde. Unter anderem wohnt im „Dorf in der Stadt“ die Ministerpräsidentin Malu Dreyer, deren Mann Klaus Jensen Mitinitiator der Idee war.

Abschließend ist hervorzuheben, dass der in 11 Jahren für 3,4 Millionen Euro bemerkenswert teilsanierte frühgotische Kreuzgang mit seinen kunstvoll wieder hergestellten Säulen und Kapitellen großes Erstaunen hervorrief. Ebenso beeindruckte das riesige Dormitorium (früherer Schlafsaal), welches heute die mehrere Tausend Exemplare umfassende Bibliothek beherbergt. Auch die große Sakristei und das Refektorium (klösterlicher Speisesaal) mit seiner malerischen Stuckdecke wurden bestaunt.

Der beeindruckende Nachmittag fand bei Kaffee und leckerem, selbstgebackenem Kuchen in Maria’s Kaffeestübchen seinen Ausklang.

Gruppenfoto der Teilnehmer
Bilder von Inge Scholz